Die Wahrheit über den 26. Spieltag

Am ersten wirklich warmen Tag des Jahres mußte ich mit dem Fahrrad Slalom zur Respectbar fahren, wo der BVB sein nächstes schweres Spiel gegen Bremen antrat. Überall standen die Leute im Weg herum, belagerten die Gehsteige, die Eisdielen, und die Kneipen blockierten die Durchfahrtswege, indem sie sämtliche Stühle und Tische auf die Straße stellten, um den sonnenhungrigen Berliner anzulocken, der alle paar Meter eine Traube bildete. Meine Güte, dachte ich, da gibt es die wunderbare Möglichkeit, in einem verrauchten, dunklen Schuppen ein wichtiges Spiel zu gucken, und diese seltsamen Menschen wärmen sich und atmen Berliner Frischluft. Wie krank müssen die denn sein? Und ich wurde nicht enttäuscht, denn die Fußballgucker um mich herum qualmten Kette und sorgten für Luft, die man in Scheiben hätte schneiden können, während sich die Dortmunder gegen eine Bremer Notelf austobten, denn fast die gesamte erste Garnitur der Bremer war entweder gesperrt oder malade. Und das war auch gut so, denn Dortmund hat gerade nichts zu verschenken. Die Bayern haben nämlich seit drei Spielen einen Lauf und lassen an durchweg zweitklassigen Gegnern wie gegen Hertha mit einer Torflut ihre Wut darüber aus, daß man fünf Punkte hinterherhinkt. Vor allem in der 1. Halbzeit spielten die Dortmunder groß auf und erzielten ein traumhaft schönes Kombinationstor nach Flanke von Kagawa auf Gündogan, der mit viel Gefühl direkt aus der Luft halbhoch zu Kagawa weiterleitete, genau richtig, damit der nur noch seinen Kopf hinhalten mußte. Danach erspielten sich die Dortmunder noch zahlreiche weitere Möglichkeiten, trafen aber nur zweimal die Latte, bzw. den Pfosten. Und deshalb blieb es auch bis zum Schluß spannend, weil die Bremer in der Pause eine ordentliche Gardinenpredigt über sich ergehen lassen mußten. Eine richtige Chance hatten sie zwar nicht, aber man weiß ja, daß irgendein krummes Ding oder Sonntagsschuß immer mal im Netz landen kann. Der BVB hat mit dem 1:0 einen neuen Vereinsrekord aufgestellt. Zum zwanzigsten Mal ist man jetzt ohne Niederlage, und von den neun Rückrundenspielen hat man acht gewonnen. Hätte Statistik irgendeinen Aussagewert, dann stünde der Meister bereits fest. Aber die Partien gegen die direkte Konkurrenz stehen noch aus und man kann nicht davon ausgehen, gegen die Bayern immer gewinnen zu können. Und auch Gladbach zeigte gegen Leverkusen, was sie drauf haben, denn als Leverkusen den späten Ausgleich erzielte, legten die Gladbacher richtig los, und Reus zeigte endlich mal wieder, warum er den Dortmundern 17 Millionen wert ist. Augsburg bewies mit dem Sieg gegen Mainz, daß man nicht nur gegen Dortmund stark gespielt hatte und nun drauf und dran ist, die Hamburger einzuholen, die sich gerade mit einer ziemlich erbärmlichen Niederlage zu Hause gegen Freiburg im freien Fall Richtung Abstiegsplätze befinden. Ich hätte nicht wirklich etwas dagegen, wenn Hamburg in der 2. Liga mal etwas Demut lernt. Und Petric weiß, wann es Zeit ist, das sinkende Schiff zu verlassen. Ende der Saison jedenfalls ist er weg.