Die Wahrheit über den 34. Spieltag

Vor zwei Wochen habe ich mich voreilig vor Preetz und Rehhagel verbeugt und zwar bewundernd, weil sie das Projekt 2. Liga so erfolgreich und zielgerichtet angegangen sind. Jetzt haben sie sich doch tatsächlich auf den letzten Drücker noch auf den Relegationsplatz vorgerobbt, natürlich mit Hilfe eines Schiedsrichters, der wahrscheinlich einen Flachbildfernseher dafür bekam, dass er den Hoffenheimer Babel mit der ersten doppelgelben Karte, die ich je gesehen habe, vom Platz stellte für eine bzw. für zwei Taten, für die eine Verwarnung schon anrüchig gewesen wäre. Aber Hoffenheim hatte sowieso weder etwas zu verlieren noch was zu gewinnen, und deshalb waren die ganz in Orange auftretenden und leicht mit Müllmänner zu verwechselnden Spieler auch nicht wirklich motiviert. Nur Babbel hätte noch eine Rechnung offen gehabt, weil ihn Preetz rausgeekelt hatte, aber der Mann mit dem bayerischen Phlegma ist einfach nicht nachtragend genug, um Preetz den Todesstoß zu versetzen. Jetzt muß eben Köln in den sauren Apfel beißen. Die haben ja auch schon Übung. Gegen die Bayern reichte es nicht mal, obwohl der Vizemeister nur im Schongang spielte. Lukas Podolski wäre gerne als Retter seines Vereins in die Annalen eingegangen, aber der als Herrgott verehrte Fußballer mit dem schlichten Gemüt verfügt über erstaunlich schlichte fußballerische Fähigkeiten, die nicht mal für die Bayern ausreichten. Diese Erfahrung wird jetzt Arsene Wenger machen, denn Arsenal hat ihn eingekauft, nachdem sie vergeblich versucht haben, Dortmunder Talente abzuwerben. Ich bezweifle, daß Wenger noch den Weitblick hat, der ihn früher auszeichnete, denn Podolski ist ein Spieler, der relativ selten besondere Momente hat. Die Europaleagueplätze sicherten sich Leverkusen, von denen man nicht weiß, wie sie das bei den schlechten Vorstellungen geschafft haben, Stuttgart, die immerhin eine passable Rückrunde spielten, was nächste Saison aber schon wieder vorbei sein kann, und Hannover, die mit Ach und Krach gegen Kaiserslautern gewannen. Alle anderen Plätze waren sowieso schon vergeben. Daß Dortmund trotzdem allerfeinste Unterhaltung bot, muß man ihnen hoch anrechnen, auch wenn natürlich die Erwartungshaltung der Fans sich inzwischen auf einem ziemlich hohen Niveau eingependelt hat, so daß man es sich gar nicht mehr vorstellen kann, wie Verlieren eigentlich geht. Mit 81 Punkten haben sie einen neuen Rekord aufgestellt, mit 28 Spielen ohne Niederlage hintereinander ebenfalls. Mit dieser schönen Souveränität kann niemand mithalten. Man sieht hin und staunt, was alles möglich ist im modernen Fußball, und Dortmund ist auch in dieser Kategorie Spitzenreiter. Einer der überragenden Spieler wird wahrscheinlich zu ManU wechseln, aber es ist nicht gesagt, daß Kagawa dort so erfolgreich sein wird wie in Dortmund. Sahin hat es ihm vorgemacht, aber viele Spieler glauben, es sei entscheidend, sechs oder nur drei Millionen im Jahr zu verdienen, wo in solchen Sphären der Erfolg und die Perspektive weit wichtiger sind, denn ManU ist weit davon entfernt, noch einmal die Champions-League zu gewinnen.