Die Wahrheit über den 3. Spieltag

Vor dem Spiel im Westfalenstadion, das vor einigen Jahren aus Werbegründen umbenannt wurde, damit jeder Journalist, der den Namen in einer Zeitung nennt 1 Cent kriegt, vor dem Spiel der Dortmunder gegen Leverkusen also sagte Frau Merkel, daß jeder seinen Weg gehen solle, egal, woher er komme. In den Medien wurde das eine Aktion genannt, von der alle sehr begeistert waren. Außerdem waren alle sehr begeistert darüber, dass Frau Merkel beim 1:0 begeistert in die Hände klatschte. Es wurde ihr daraufhin sehr viel Fußballsachverstand attestiert. Von Klopp wurde ihr sogar eine Dauerkarte angeboten, wenn sie sich ins Westfalenstadion setzte und ab und zu mal in die Hände klatschte, damit die BamS jedesmal titeln kann »Merkel jubelt Dortmund hoch«. Der BVB hat ein großes Herz, denn es muß viel aushalten, hat aber auch schon Schlimmeres überstanden.
Das Spiel jedenfalls war wieder so wie in der letzten Saison, und Klopp meinte, daß die Mannschaft zu ersten Mal wieder »unsere Spielweise auf den Platz gebracht« hätte. Viel dazu beigetragen hat Götze, der anstelle von Reus von Beginn an dabei war und einige hinreißende Szenen hatte. Aber nicht nur er, sondern auch das Polentrio war wieder top of pop, vor allem beim grandiosen 2:0, das eine polnische Koproduktion war. Lewandowski spielte einen sensationellen Diagonalpaß auf die rechte Seite genau in den Lauf von Piszczek, der den Ball in die Mitte durch alle Leverkusener hindurch auf Kuba flankte. So schön kann Fußball sein. Und auch Schmelzer spielte sich seine Länderspieldepression von der Seele. Wie Klopp so schön sagte, würde man in Dortmund alles tun, daß er nicht so allein gelassen werde würde. Und nach dem Spiel nahm er ihn lange in den Arm und hätschelte ihn. Vielleicht sind solche Länderspiel für die Dortmunder gar nicht schlecht. Es scheint sich auf ihre Leistung im Verein jedenfalls positiv auszuwirken. Leverkusen allerdings war schwach, genau der richtige Gegner für Marcel Reif, der gerne über Schwächere spöttelt und sie verhöhnt, denn schließlich leben wir in einer Leistungsgesellschaft und wer da nicht seine Leistung bringt, der ist ein Looser. Rudi Völler beschimpfte ihn daraufhin als »Klugscheißer«, während sich Marcel Reif auf die Meinungsfreiheit berief, bekanntlich die Freiheit von Leuten, die keine Überzeugung haben, dafür aber jede Menge Meinung.
Bayern gewann zum dritten Mal hintereinander gegen einen potentiellen Absteiger und hat jetzt schon 9 Punkte. Zwei mehr als ihre härtesten Verfolger. Es gab schon spannendere Nachrichten. Zum Beispiel, daß Hannover mit Huszti ein Glückslos gezogen hat, der alle sieben Treffer aus den letzten beiden Partien entweder vorbereitet oder selbst geschossen hat. Diesmal in der letzten Minuten mit einem sehenswerten Seitenfallzieher den 3:2-Siegtreffer gegen Bremen. Fürs Trikotausziehen und Zaunklettern bekam er dann gelb-rot und alle sagen, daß das eine schwachsinnige Regel sei. Ich finde auch, die Tore könnten größer sein. Dann fielen mehr Tore. Und Gladbach verliert zu Hause gegen Nürnberg mit 3:2, was zum einen darauf hindeutet, dass das Unentschieden gegen Dortmund nicht zufällig war und Gladbach in dieser Saison richtige Probleme bekommen wird, weil alles noch nicht so richtig zusammenpaßt.