Die Wahrheit über den 4. Spieltag

Frau Merkel und Ajax Amsterdam scheint Dortmund nicht gut bekommen zu sein. Immer wenn Frau Merkel irgendwo auftaucht, heißt das nichts Gutes. Und das knappe 1:0 gegen den CL-Gruppengegner Ajax Amsterdam verführte die Medien zu verkünden, daß Dortmund doch Europa könne. Nun war es allerdings so, daß ein allzu großer Unterschied zu den CL-Spielen im letzten Jahr nicht wirklich festzustellen war. Letztes Jahr verloren die Dortmunder die Spiele, diesmal haben sie eins gewonnen. Chancen hatten sie sowohl damals als auch jetzt zugelassen, mit dem Unterschied, daß Ajax drei hochkarätige Chancen ausließ, Marseille aber nutzte. Ajax war nicht schlecht, und wenn die Partie unentschieden ausgegangen wäre, wäre das nicht so ungerecht gewesen wie die Pleiten vor einem Jahr. Aber dieses „Dortmund kann doch Europa“ schienen leider auch die Spieler zu glauben, die ebenfalls davon sprachen, daß man mit der europäischen Spitze mithalten könne. Was grundsätzlich nicht verkehrt ist, wenn man das, was man kann, dann auch wirklich auf dem Platz umsetzt. So hatte man unwillkürlich den Eindruck, als wolle man sich selber gut zureden und nicht zugeben, daß der Treffer von Lewandowski in der 87. Minute eine grandiose Einzelleistung war, aber man sich vorher häufig genug im engmaschigen Netz von Ajax verfangen hatte, während man hinten Löcher hatte wie ein riesiger Schweizer Emmentaler. Und dann trat man beim Tabellenletzten Hamburg an, der Null Punkte auf dem Konto hatte, während Dortmund seit 31 Spieltagen keine Niederlage mehr einstecken mußte. Eine ungünstige Konstellation, denn das hieß, daß Hamburg sich die Beine ausreißen würde für einen oder sogar drei Punkte. »Die Anfangsphase war richtig scheiße«, sagte Klopp, und daran war wenig auszusetzen, denn auch wenn die drei Hamburger Treffer auf individuelle Fehler der Dortmunder zurückzuführen waren wie der frühe Rückstand auf einen Schnitzer von Hummels, so stimmte das Spielgleichgewicht auch nicht, die Dortmunder gaben das Spiel völlig unnötig aus der Hand, überließen den Hamburgern das Pressing, ließen sie kombinieren, liefen hinterher und verloren erstaunlich früh wieder den Ball. Und das lag nicht nur am Fehlen von Gündogan, der durch Leitner ersetzt wurde, auch vorne harmonierte das Dreigestirn nicht wie es könnte. Nach dem überraschenden Ausgleich durch Perisic kurz nach Beginn der 2. Halbzeit dachte man, daß Dortmund das Heft wieder in die Hand nehmen würde, aber stattdessen legten sich die Hamburger ins Zeug und erhöhten auf 3:1. Und dann kam die Schlußphase, die einen ziemlich zusetzte, weil die Dortmunder eine hochkarätige Chance nach der anderen versiebten. Es war kaum auszuhalten, daß der sonst so sichere Lewandowski den Ball über Adler hob, aber auch gleichzeitig übers Tor, Lewandowski, der doch sonst soviel Gefühl in seinem Fuß hat, oder Schieber, der überhastet am Elfmeterpunkt zum Schuß ansetzte und nur ein Schüßchen zustande brachte. Die Liste könnte man endlos fortsetzen, aber klar war auch, daß den Dortmundern ein gebrauchter Tag angedreht worden war. Denn obwohl man kein gutes Spiel gemacht hatte, hatte man genügend Gelegenheiten, daß Spiel haushoch zu gewinnen. Aber der alte Chancentod ist in die Reihen der Dortmunder zurückgekehrt und machte sich über sie lustig. Und das ausgerechnet gegen die Deppen aus Hamburg.