Die Wahrheit über den 5. Spieltag

Das Schöne an Borussia ist, daß man sich nicht so langweilige Spiele, wie sie Schalke abliefert, ansehen muß. »Wenig spielerischen Esprit« verströmten die Blauweißen gegen Mainz, gewannen aber trotzdem. Bei Dortmund war ich mir sicher, ein großartiges Spiele gegen die Eintracht zu sehen, nicht nur weil die Frankfurter alle Spiele gewonnen hatten, sondern weil sie sie mit spielerischen Mitteln gewonnen hatten und weil Armin Veh ankündigte, auch gegen Dortmund nichts an dem offensiven Spielstil ändern zu wollen. Und ich wurde nicht enttäuscht. Es war nicht nur ein »unterhaltsames«, sondern extrem schnelles und spannendes Spiel, das beste mit Dortmunder Beteiligung seit dem völlig verrückten 4:4 gegen Stuttgart in der letzten Saison. Immer jedenfalls, wenn Dortmund auf Mannschaften trifft, die mehr wollen als sich einen Punkt ermauern, die also selber auf Offensive setzen und modernen Fußball zelebrieren, formen sich so etwas wie magische Momente heraus. Zunächst setzte Klopp nur auf Reus ohne Götze dafür aber mit einem wieder einmal überragenden Kuba, weil das Traumduo in Hamburg blaß blieb. Und es sah zunächst so aus, als ob die Rechnung aufgehen würde, denn mit einem für Dortmund glücklich abgefälschten Ball erzielte Piszczek das 1:0 und kurze Zeit später war es wieder Piszczek, der flach in die Mitte auf Reus paßte, der den Ball genau ins Eck platzierte. Die Eintracht war trotzdem gleichwertig, und die löchrige Dortmunder Abwehr gab den Frankfurtern auch reichlich Gelegenheit, auf Weidenfellers Tor zu schießen. Zudem kombinierten sie hervorragend und verloren auch unter Druck nicht den Kopf. Gleich zu Beginn der 2. Hälfte wurde die hinreißende Art der Frankfurter belohnt mit zwei Treffern kurz hintereinander, denen wieder zwei grandiose Fehlpässe der Dortmunder voraus gingen. Es ist erstaunlich, wieviel die Dortmunder Abwehr zu- und wieviel Chancen sie gleichzeitig vorne ausläßt. Immerhin ließen sich die Dortmunder von der berauschenden Frankfurter Phase nicht beeindrucken. Götze, der den verletzten Reus ersetzte, jagte Anderson den Ball ab und zeigte seine individuelle Klasse mit einem feinen per Außenrist erzielten erneuten Führungstreffer. Aber Frankfurt steckte nicht auf, weshalb es munter auf und ab ging. Genau das will man sehen, allerdings sieht es so aus, als ob die Dortmunder mit ihrer Spielweise mittlerweile auf eine Konkurrenz treffen, die diese Spielweise inzwischen so gut adaptiert hat, daß sie den Dortmunder gut Paroli bieten kann. Gegen Manchester City und Real Madrid muß Dortmund viel kompakter stehen und die Lücken schließen, die sich vor allem auf der Seite von Schmelzer aufgetan haben. Natürlich spielte Frankfurt sensationell gut und an seinem Limit, aber ein Maßstab für europäische Spitzenmannschaften ist die Eintracht nicht. Aber was solls, lieber in einem aufregenden und attraktiven Spiel verlieren, als sich ein ödes, vollkommen einseitiges Spiel ansehen müssen wie das der Bayern zu Hause gegen hilflose Wolfsburger, die Magath mit viel Geld neu aufgerüstet hat, mit dem Ziel, sich europäisch zu qualifizieren. Aber davon ist VW weit entfernt. Dank den Dortmundern führen die Bayern jetzt die Tabelle alleine an. Und daran wird sich auf absehbare Zeit wohl auch nichts ändern. Woran man sieht, daß in der Regel ein millionenschweres Aufrüstungsprogramm eben doch Früchte trägt.