Die Wahrheit über den 6. Spieltag

Bertold Brecht liebte bei Krimis keine Überraschungen. Ein Täter, ein Motiv, ein Opfer, aber kein Schummeln, keine unlauteren Tricks. Die aktuelle Liga wäre ihm ein Gräuel gewesen, denn da geht es drunter und drüber. Nur auf Bayern ist z.Z. Verlaß, auch wenn sie erst kurz vor Schluß »den Sack zumachten«, in der ersten Halbzeit jedenfalls hatten sie trotz Überlegenheit gegen die Bremer keine klare Chance. Und das regte Sammer auf. Der Mann muß von der BamS übersetzt werden, weil sonst niemand versteht, was er eigentlich meint. Z.B.: »Der beste Start bedeutet mir gar nichts. Du kannst heute mal versuchen, irgendwo in München auf einen Balkon zu rennen – da wird dir keiner was überreichen.« Und deshalb passen Bayern und Sammer auch gut zusammen. Ich möchte jedenfalls nicht in der Haut eines Bayern-Fans stecken und Sammer ertragen müssen, und ich kenne Bayern-Fans, die sich wegen Sammer kein Spiel mehr anschauen mögen, und bei Bayern ist er nur Manager. Ich weiß, wie das ist, denn schließlich hat Sammer in Dortmund gespielt. Aber diese schwere Zeit ist Gottseidank vorbei. Vor sich hat man eine glänzende Zukunft ohne Manager, der vor lauter Ehrgeiz keinen geraden Satz zustande bringt, dem vor lauter Anspannung sämtlich Hemdknöpfe abplatzen. Der BVB ist wieder zurück. Zumindest gegen Gladbach. Aber die haben schon seit Saisonbeginn Probleme. Aber das 5:0 war dann trotz allem sehr beeindruckend, auch wenn man es nicht überbewerten sollte, denn spätestens nach dem 2:0 war bei Gladbach die Luft raus. Zudem haben die Dortmunder ihren Stil etwas verändert, ihn den internationalen Anforderungen angepaßt. Machten sie früher von der ersten Sekunde an Dampf, um den Gegner in Grund und Boden zu stampfen, waren sie gegen Gladbach fast schon etwas unsicher, um dann aber ein bißchen mehr so wie Barcelona zu spielen, also mehr auf Balldominanz ausgerichtet und geduldig die Lücke suchend, die ihnen Gladbach auch immer wieder anbot. Und wer, wenn nicht Dortmunds Rolls Reus nutzte diese Lücken, diesmal auch in genialem Zusammenspiel mit Götze, und da Lewandowski für Manchester geschont wurde, schoben sich Gündogan und Kuba die Bälle für die wunderschöne Tore zu. Plötzlich war also der Knoten wieder geplatzt, der sich nach dem mißglückten Spiel gegen den HSV und dem irren Spiel gegen die Eintracht zusammenzuziehen drohte. Die Generalprobe hat also geklappt, aber das ist nicht immer ein gutes Zeichen. Sonst aber ist die Liga sehr unbeständig. Schalke führte in Düsseldorf 2:0, gab in der 2. Halbzeit das Spielen auf und mußte sich am Ende mit einem 2:2 zufrieden geben. Das ist große Kunst, für die ich Schalke auch mal loben will. Der starke Club empfing die erfolglosen Stuttgarter und verlor 2:0, und auch wenn es ein individueller Fehler war, der die Niederlage des Clubs einleitete, hätte ich damit nie gerechnet, ebensowenig mit der Glückssträhne der Hamburger, die bei den bislang großartig aufspielenden Hannoveranern 1:0 gewinnen, ein Spiel, das durch die beiden Torhüter entschieden wurde, weil dem einen ein Ball durchflutschte, während der andere alles hielt, was auf ihn zukam. Nein, das hätte Brecht gar nicht gefallen.