Die Wahrheit über den 12. Spieltag

Mit einem Glas Sekt und sechs Austern bereiteten Wiglaf Droste und ich uns auf das Spiel gegen Greuther Fürth vor, denn auch wenn ein Spiel gegen den Tabellenletzten nach reiner Formsache aussieht, weiß jeder nur zu genau, daß einem gerade die Tabellenletzten einem das Letzte abverlangen können, und so war diese besondere Maßnahme natürlich absolut nötig, um erst gar keine Zweifel aufkommen zu lassen, man würde diesem Spiel nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken. Und tatsächlich ging es gleich rasant zur Sache, denn schon in der dritten Minute tänzelte der sensationell aufgelegte Götze durch die Fürther Verteidiger, die sich selbst im Weg standen, und legte dann in höchster Bedrängnis auf Lewandowski. Nur eine Minute später standen die Dortmunder den Fürther Verteidigungskünsten in nichts nach und ließen nach einem Steilpaß Stieber freien Lauf, der sich mit einem feinen Lupfer über Weidenfeller bedankte. Und schon hatte die gute Laune einen Dämpfer abbekommen. Dann aber stellte sich schnell heraus, daß die Fürther zwar guten Willen zeigten, aber diesmal nicht in der Lage waren, Dortmund wirklich alles abzuverlangen wie in der letzten Pokalbegegnung, als Gündogan die Dortmunder in der 120. Minute erlöste. Diesmal konnte Klopp sogar seinen Rolls-Reus schonen und brachte stattdessen Perisic, der sich über zu wenig Einsätze beschwert hatte, und zwar trotz und nicht wegen der Beschwerde. Er versuchte technisch ähnlich zu brillieren wie Götze, aber es gibt eben nur einen Götze, und wie es in der Bibel so oder so ähnlich steht: Du sollst nur einen Götze haben. Dortmund hatte 70 Prozent Ballbesitz, also fast wie Barcelona, nur nicht mit dieser Ballsicherheit, und einen neuen Kuba, der nach schwerer Verletzung wieder zurückkam als sei nichts gewesen, denn auch seine Abschlußschwäche hatte er sich über die Zeit der Rekonvaleszenz bewahrt. Die restlichen 30 Prozent reichten Fürth immerhin zu einem Pfostenschuß, aber das wars dann auch, abgesehen von einem Elfer, den Lewandowski verwandelte und dem 3:1 nach einem weiteren genialen Solo von Götze. Dann war Pause. Danach konnte man in Ruhe sein Getränk am Tresen trinken, denn es passierte nichts mehr. Bei Schalke hingegen klappte die Vorbereitung auf den nächsten CL-Gegner nicht so toll. Nach einer schlappen Leistung, die Heldt als »völliges Versagen« bezeichnete, was man immer wieder gern hört, verloren die Blauweißen in Leverkusen, was mir bei dieser Tabellenkonstellation ganz recht ist. Zwar ist Leverkusen nur einen Punkt hinter den Dortmundern, aber Schalke auch nur noch einen Punkt vor Dortmund. Bei Schalke hängt jetzt der Haussegen schief, weil Farfan und Holtby vom holländischen Proll zusammengefaltet wurden. Die Eintracht zeigte in Augsburg, daß sie ebenfalls in die Verfolgergruppe gehören. Bayern zieht auch weiterhin seine einsamen Kreise auf Platz 1, auch wenn es beim Club nur zu einem Remis reichte, weil Neuner einen Flatterball des ehemaligen Borussen Feulner falsch berechnete und anschließend die Journalisten bezichtigte, sie würden ihn madig machen.