Die Wahrheit über den 16. Spieltag

Man kann auf verschiedene Weise verlieren. Weil man schlecht spielt wie gegen Schalke, als der BVB nicht unverdient zu Hause verlor, oder durch Pech wie gegen Hamburg, als die Dortmunder die schönsten Chancen vergaben, oder durch den Schiedsrichter wie gegen die völlig unterlegenen Wolfsburger. Selten waren alle so einer Meinung wie gegen die Entscheidung von Schiedsrichter Stark, der in der 35. Minute, als Wolfsburg das erste Mal vor Dortmunds Tor kam, Schmelzer vom Platz stellte, weil der auf der Torlinie einen Schuß von Bas Dost angeblich mit der Hand abgewehrt haben sollte. Diese Abwehraktion wäre eigentlich unerheblich gewesen, weil Stark vorher bereits eine Abseitsposition übersehen hatte, bevor dann der Ball von Vieirinha ins Zentrum zu Dost gelangte. Statt mit der Hand hatte Schmelzer den Ball mit den Knien abgewehrt. Aber Stark wollte nicht auf die vehementen Proteste der Dortmunder hören. Diego versenkte den Elfer, aber Stark hatte nicht nur den Ausgleich ermöglicht, sondern auch noch die Wolfsburger, die bis dahin keinen Fuß auf den Boden bekommen hatten, stark gemacht. Und dann gelang Naldo auch noch ein Sonntagsschuß. Überhaupt wurde das Spiel nun hektisch und von den Wolfsburgern mit großer Härte geführt. Die gelben Karten bekamen aber die Dortmunder, die hin und wieder darauf hinwiesen, daß ihnen die Knochen poliert wurden. In der 2. Halbzeit drehte Dortmund noch einmal richtig auf und Kuba erzielte per Elfer nach einem Foul an Lewandowski zwischenzeitlich den Ausgleich. Wolfsburg hingegen reichte ein genialer Paß von Diego auf Dost, um den 3:2-Endstand zu erzielen. Und wieder, wie schon beim 2:1 durch Naldo, für den Santana zuständig war, machte Dortmunds Ersatzmann für Subotic auch diesmal keine gute Figur, wie auch seine Gottseidank seltenen Pässe nach vorne regelmäßig beim gut sortierten Gegner landeten. Zu zehnt liefen sich die Dortmunder dann irgendwann tot, denn natürlich hatte das Spiel unendlich viel Kraft gekostet. Die Wolfsburger hätten an diesem Tag nicht die geringste Chance gehabt, aber gegen den Schiedsrichter hatten wiederum die Dortmunder keine Chance. Viel mehr als Schmelzer hätte Stark die rote Karte verdient, die es aus merkwürdigen Gründen für diese Leute nicht gibt. Zwar sah er am Ende ein, daß er eine Fehlentscheidung getroffen hatte, aber es blieb ihm ja sowieso nichts anderes übrig, ließen die Fernsehbilder doch keinen Zweifel aufkommen. Nicht nur, daß den Dortmundern diese späte Einsicht nichts nutzt, er hätte vielleicht auch mal auf die Spieler hören können, denn es gibt in der ganzen Liga keine faireren Spieler als die Dortmunder, und es ist eine große Ungerechtigkeit, wenn Mannschaften, die sich nur mit Fouls zur Wehr setzen können, auf diese Weise auch noch belohnt werden. Die Dortmunder Spieler durften anschließend keine Statements abgeben. Und auch Klopp hielt sich zurück, indem er von einer »kuriosen« Entscheidung sprach, was eine wirkliche Untertreibung war. Schade eigentlich, denn ein Mann, der ganz allein ein Spiel entscheidet, sollte sich ruhig mal ein paar Beschimpfungen anhören. Von dem Bonus, daß die Spitzenmannschaften bevorteilt würden, profitiert Dortmund jedenfalls nicht. Vielleicht weil sich dort niemand so verhält wie Hoeneß, der einmal nach einer Schiedsrichterleistung, mit der er nicht einverstanden war, ankündigte, daß dieser Mann nie wieder ein Spiel der Bayern pfeifen würde. Und seither tanzen eben alle nach der Pfeife von Hoeneß.