Die Wahrheit über den 23. Spieltag

Viel Erfreuliches hatte dieser Spieltag nicht zu bieten. Nur den wahrscheinlichen Abstieg Hoffenheims, denn die Hopp-Truppe verlor ohne großen Widerstand beim Abstiegskonkurrenten Augsburg mit 2:1, und während in der Stadt von Berthold Brecht und Franz Dobler die Spieler ihre letzte Chance wahrnahmen und ackerten und rackerten bis zum Umfallen, und bis zur letzten Minute Gas gaben und dann sogar zwei wunderschöne Tore schossen, trabten die im holländischen Orange gekleideten Hoffenheimer nur nebenher und waren offenbar verwirrt vom vielen guten Zureden. Hopp hielt eine Rede vor den Profis und versuchte, ihnen Mut machen. Das ging offenbar schief. Man darf allerdings auch nicht solche Luschen einstellen wie Marco Kurz, der schon jetzt, nach nur wenigen Spielen, keine Ahnung hat, wie er den Karren aus dem Dreck ziehen soll und so deprimiert aussieht, als hätte er einen Tag lang mit Andreas Müller in der Sauna verbringen müssen, der anderen Lusche und Manager, der mit selten dämlichen Sprüchen versucht, den Abstieg zu verhindern. Daß in diesem vor Inkompetenz strotzenden Dreigestirn die Profis völlig die Orientierung verlieren, kann einen eigentlich nicht wundern. Und deshalb betet Kapitän Andreas Beck: »Mit den Spielern, die da sind, müssen wir nun aber die nächsten Wochen bestehen, dürfen uns nicht abschlachten lassen.« Eine martialische Sprache, aber auch die wird nicht die »Blockade im Kopf« lösen, die Beck bei seinen Kollegen diagnostiziert hat. Aber das kommt eben davon, wenn nur Profis angeheuert werden, die von anderen Vereinen aussortiert nur noch ein wenig Geld verdienen wollen, aber ansonsten Gott einen guten Mann sein lassen. Bei solchen Spielern hat Hopp, das muß man ihm lassen, ein gutes Händchen bewiesen. Auch ganz nett war die blamable 5:1-Niederlage des HSV in Hannover, wo man gerade mal zwei Tage Zeit hatte, sich von einem nervenaufreibenden und kräftezehrenden und deprimierenden Europapokalspiel zu erholen. Aber van der Vaart hatte an diesem Tag keine Lust und sprintete ganze vier Mal über den Platz, während die Hannoveraner ein glänzendes Konterspiel aufzogen, dem die Hamburger nichts entgegenzusetzen hatten, die vor allem durch individuelle Fehler glänzten wie der gerade eben in die Nationalmannschaft gelobte Rene Adler, der gleich vier Mal daneben griff. Hätte er das nicht mal gegen Dortmund tun können? In Stuttgart herrscht weiterhin Tristesse. Ein mühsames 1:1 holte man gegen den Club, der auch nicht gerade glänzend aufgelegt ist. Der Ex-Borusse Feulner erzielte den schönen Ausgleich, denn nicht nur in eigener Sache trägt der BVB zur Attraktivität und Gerechtigkeit der Liga bei. Schalke kriegt mit Mühe einen 2:1-Sieg gegen Düsseldorf zustande und niemand weiß, ob es jetzt die Wende oder nur ein kurzes Zwischenhoch ist. Allerdings mußte der Schalker Verteidiger Matip mit einem Dopelpack ran, weil die Stürmer nicht mehr treffen. Und Bayern dampfwalzt auch weiterhin durch die Liga, allerdings nur gegen schwächelnde Bremer, die sich bereits ins Mittelfeld verabschiedet haben.