Kraushaars Obsession

Ich bin wie immer viel zu spät dran, aber darauf wollte ich unbedingt noch hinweisen: Auf den großartigen Artikel von Willi Winkler in der Süddeutschen vom 22. Februar, den es leider nicht im Netz gibt, weshalb es sich fast schon lohnt, die SZ Online zu abonnieren. Willi Winkler bespricht das neue Buch von Wolfgang Kraushaar »Wann endlich beginnt bei Euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel? München 1970: Über die antisemitischen Wurzeln des deutschen Terrorismus«, und wenn man die Rezension gelesen hat, braucht man das Buch nicht zu lesen, hat jede Menge Zeit gespart und kann sich statt dessen die SZ Online im Abonnement leisten. Nur soviel: Der Artikel macht deutlich, dass Kraushaar offensichtlich an einer kleiner Obsession leidet, denn immerhin hat er 876 Seiten über ein Thema geschrieben, zu dem er absolut nichts Neues zu sagen hat, nur zu insinuieren, zu verdächtigen. Aber das macht er prima, und zwar sogar mit Stilblüten, und weil man laut Karl Kraus Stilblüten nicht ausrotten soll, sondern sich an ihnen erfreuen, kann man davon ausgehen, dass sie die einzig lesenswerten Passagen sind: »Hier sind im Zuge der vorläufigen Ermittlungen bereits mögliche Indizien zusammengetragen, aus denen sich das Schreckbild einer so skandalträchtigen Schlagzeile hätte speisen können.« Das reicht schon fast an Botho Strauß ran.