Die Wahrheit über das Pokalviertelfinale Bayern gegen den BVB

Ich bewunderte die nach München gereisten Dortmund-Fans in ihrem grenzenlosen Optimismus. Den konnte ich gar nicht teilen und ich war mir selten so sicher wie vor diesem Pokal-Spiel, daß der BVB diesmal den Kürzeren ziehen würde. Schon allein deshalb, weil Hummels fehlte, die entscheidende Figur in einem solchen Spiel, der von hinten heraus vielleicht hätte etwas bewirken können. Und deshalb konnte ich relativ gelassen dem Geschehen auf dem Rasen zugucken. Die Bayern waren überlegen, aggressiver, ballsicherer, paßsicherer, lauffreudiger. Aber erstaunlich war es dann doch, dass sie in der ersten Halbzeit nicht nur 1:0 nach Toren, sondern in der zweiten Halbzeit auch 3:0 nach gelben Karten führten, daß sie also durch Fouls versuchten, das Ergebnis über die Bühne zu kriegen, daß sie gegen Ende des Spiels nur noch verzögerten und zerstörten und sogar in der 93. Minute noch einen Spielerwechsel vornahmen, um Zeit zu schinden. Im Journalismus nennt man das »internationale Erfahrung«. Die fünf Niederlagen in den letzten beiden Saisons scheinen den Bayern doch mehr in den Knochen zu stecken als sie dachten oder jemals zugeben würden. Und das war schön zu beobachten. Hoeneß gab dann auch zu, daß diese Niederlagen den Bayern viel Geld gekostet haben, das sie investieren mußten, um nicht den Anschluß zu verlieren, und zwar einen ziemlich hohen zweistelligen Millionenbetrag. Ein ziemlicher Batzen, bloß um gegen eine ersatzgeschwächte und etwas im Formtief steckende Mannschaft mit Einsatz aller Mittel ein 1:0 mal gerade so über die Runden zu bringen.