Die Wahrheit über den 29. Spieltag

Mourinho flog mit einem Privatjet nach Fürth, oder wie die Fürther sagen würden, Fädd, um sich seinen Gegner im Halbfinale der CL anzusehen. Der BVB glänzte in der ersten Halbzeit und schoß fünf Tore, Mitte der zweiten dann brach Mourinho auf und ließ sich in einer Limousine mit getönten Scheiben zum Flugplatz bringen. Er sah nicht den Anschlußtreffer der »Fädder« in der 71. Minute, aber der war auch unerheblich, weil Dortmund sowieso nur noch hintenrum und im Schongang spielte. Mourinho bezeugte dem BVB dadurch seinen Respekt, obwohl in der Tat sehr unklar ist, welche Erkenntnisse sich Mourinho von dem Spiel erhoffte. Subotic, Schmelzer, Reus und Bender fehlten, weil sie angeschlagen waren, aber der Rest spielte wie aufgedreht und man konnte nicht verstehen, warum sich Dortmund letztes Jahr im Pokal so schwer getan hatte, immerhin ein Spiel auf Messers Schneide, das erst Gündogan zu Gunsten Dortmunds entschied. Und auch diesmal spielte Gündogan eine besondere Rolle und erzielte zum ersten Mal zwei Tore. Auch das Zusammenspiel mit Sahin klappte prima. Götze brillierte und flankte mit seinem rechten Fuß hinter dem linken Standbein, ein fußballerisch gesehen nicht ganz einfacher Trick, der aber wenig effektiv ist, denn er täuscht nichts an und verwirrt auch niemanden. Der damals bei Barcelona spielende Rivaldo benutzte manchmal diesen Trick, aber gern gesehen ist er bei den Trainern nicht, weil sie sofort eine gewisse Überheblichkeit wittern, und deshalb war auch Klopp nicht damit einverstanden, dabei war es vermutlich nur die überschäumende Freude am Spiel. Angst wird dieser Trick Mourinho nicht gemacht haben, den in Madrid wahrscheinlich alle können, aber er sah eine spielerisch gut aufgelegte Borussia gegen einen Gegner, der mitspielen wollte, dabei aber seine Möglichkeiten ein bißchen überschätzte, was den Dortmundern auf wunderbare Weise in die Karten spielte. Keins der in »Fädd« gefallenen Tore wäre gegen Madrid zustande gekommen, denn die werden sich taktisch besser auf Dortmund einstellen. Mourinho wird nicht nur versuchen, die Zentrale des Dortmunder Spiels lahmzulegen, sondern ihnen auch keine Räume zum Kombinieren anbieten. Mourinho ist bislang der einzige, der es geschafft hat, seine Mannschaft auf die Spielweise der Barcelonesen einzustellen, und auch wenn er kaum neue Erkenntnisse über das Spiel der Dortmunder gewonnen haben dürfte, er verliert selten zweimal hintereinander gegen einen Gegner. Klopp witzelte zwar, daß Mourinho ihn hätte auch anrufen können, wenn er wissen wollte, ob Götze auch auf der linken Seite spielen kann, und daß er die Schwächen der Dortmunder gar nicht gesehen hätte, weil er zu früh gegangen sei, aber Mourinho sah, daß die Dortmunder gut drauf waren, und das ist das einzige, was ihm Sorgen machen muß. Und sonst? Leverkusen gelingt nur ein 2:2 gegen Schalke, mein Traumergebnis, denn es verschafft den Dortmundern zwei weitere Punkte Vorsprung auf seine Verfolger. Und unten spielen alle nur Unentschieden. Das Robben auf die rettenden Plätze geht also weiter.