Die Wahrheit über den 30. Spieltag

Eigentlich ein perfekter Spieltag. Dortmund gewinnt souverän und locker mit 2:0 gegen Mainz, was keine Selbstverständlichkeit ist, und Schalke verliert bei der Eintracht verdient mit 1:0 und schafft es nicht mal, den Torhüter-Oldie Nikolov mit einem Elfer zu überwinden. Jetzt ist die Eintracht, die schon seit Ewigkeiten nicht mehr gewonnen hat, plötzlich wieder einen Punkt hinter Schalke und damit in unmittelbarer Nähe zu Platz 4, auf dem man sich für die CL qualifizieren könnte. In Frankfurt geht es also noch um etwas. Dortmund hingegen ist mit freundlicher Unterstützung von Frankfurt jetzt durch und hat die nächste CL-Teilnahme entgültig in der Tasche. Unten hingegen hat sich nichts geändert, weil alle Mannschaften, die das rettende Ufer erreichen wollen, verloren haben. Zwischen Bremen, Düsseldorf, Augsburg und Hoffenheim wird es spannend. Bremen ist nach dem Verkauf vieler Leistungsträger völlig abgerutscht und wurde sogar zu Hause gegen Wolfsburg vorgeführt, die vor nicht allzulanger Zeit selber gegen den Abstieg zu kämpfen hatten. Schaaf scheint am Ende seines Lateins zu sein, und man muß kein Hellseher sein, um zu wissen, daß mit ihm eine Ära zu Ende geht. Dortmunds Sieg allerdings war nicht wirklich überzeugend. Auch Hummels meinte, daß man mit dieser Leistung gegen Real Madrid die Hütte vollkriegen würde. Zuviele Fehler im Aufbau und in der Abwehr, und die würde Real ganz anders ausnutzen als Mainz, wo man auf einige Spieler verzichten mußte. Dortmund spielte in Bestbesetzung, weil einige Leute nach längerer Verletzungspause Spielpraxis bekommen sollten, aber es wurde nicht offenbar, was wirklich drin ist in dieser Konstellation, und das ist auch nicht verwunderlich, weil es um nicht sehr viel ging in dieser Partie, die es mit einer gewissen Routine zu gewinnen galt. Die Einstellung wird gegen Real eine ganz andere sein, aber es ist unwahrscheinlich, daß Mourinho zum zweiten Mal gegen Dortmund den Kürzeren ziehen wird. Er ist immerhin der einzige, der inzwischen gegen Barca zu gewinnen versteht, auch wenn Real in der Meisterschaft hinterherhinkt. Und Real Madrid ist eine ähnliche Maschine wie Bayern, gegen die Barca wiederum nur eine Chance hat, wenn es so spielt wie beim 4:0 gegen AC Milan, ein Spiel wie von einem anderen Stern. Wahrscheinlich aber wird sich der Maschinenfußball durchsetzen. Nicht schön, nicht dramatisch, aber effektiv. Vom Gewinn der CL wird dann nicht mehr zurückbleiben im kollektiven Gedächtnis als beim letzten CL-Gewinn der Bayern, bei dem die meisten nicht mal wissen dürften, gegen wen es da eigentlich ging. Pünktlich zum wahrscheinlichen Triple sah sich Uli Hoeneß genötigt, seine in der Schweiz geparkten Millionen den Steuerbehörden zu offenbaren. 2005 hat er noch gesagt: »Ich weiß, daß das doof ist. Aber ich zahle volle Steuer.« So voll scheint das nicht gewesen zu sein. Vorab hat er jetzt 6 Millionen an den Fiskus bezahlt. Das ist mehr als der Jahresetat so manchen Fußballvereins. Da ist es schön, daß sich Hoeneß immer wieder um die gerechte Verteilung der Gelder im deutschen Fußball kümmert.