Die Wahrheit über den 31. Spieltag

Nach dem Bekanntwerden des Wechsels von Götze zu Bayern, hatte ich einen Tag schlechte Laune. Das Imperium schlägt zurück nach zwei verlorenen Meisterschaften und einer Pokalschlappe. Aber wie Klopp sehr plausibel erklärte, Gladbach dürfte auch nicht begeistert gewesen sein, als Reus zum BVB wechselte. Natürlich handelt es sich im Prinzip um ein normales Geschäftsgebaren, solche Talente zu kaufen, wenn sie zu haben sind. Und Götze hielt sich diese Option durch die Ausstiegsklausel ja offen, war also durchaus wechselwillig. Und das enttäuscht, denn er macht die Perspektive, die sich in Dortmund durch eine goldene Generation angekündigt hatte, zunichte. Es hätte so etwas wie Barcelona entstehen können. Jetzt sieht es so aus, als ob Dortmund wieder von vorne anfangen muß, denn auch Robert Lewandowski wird spätestens in einem Jahr weg sein und Hummels vielleicht nach Barcelona wechseln. Und drei Leistungsträger zu ersetzen hat noch nie geklappt. Auch ist es fraglich, ob Dortmund wieder so ein glückliches Händchen wie mit Kagawa, Lewandowski und Gündogan haben wird. Vor allem gibt es keine Zeit der Vorbereitung mehr, es gibt die zwei oder drei Spielzeiten nicht mehr, in der sich so eine Mannschaft zusammenstellen läßt. Jetzt muß sofort möglichst ein gleichwertiger Ersatz her, um im internationalen Geschäft mithalten zu können. Die Zeit der Entwicklung, an deren Ende das rauschhafte 4:1 gegen Real Madrid steht, ist mit dem Beginn der nächsten Saison vorbei. Und das ist enttäuschend, aber eigentlich auch logisch. Die Bayern werden, wie in dieser Saison bereits angekündigt, keinen Gegner mehr finden, der es spannend machen kann. Es wird sich wieder Langeweile ausbreiten, die auch Breitner im Sportstudio verströmte durch die schlichte Wahrheit, daß man die beste Bank, die besten Spieler, den besten Trainer, das beste Management, das meiste Geld hat. Sympathisch ist das nicht, und niemand klatschte über die aus einem anderen Jahrhundert stammenden Arroganz der demonstrierten Macht. Symbolisch für „etwas besseres als die Bayern findest du allemal“ hingegen war der jugendliche, gut aussehende Ricken, der die Prinzipien des Fußballgeschäfts zwar nicht aus den Angeln heben kann und auch nicht den Standortnachteil, den Dortmund hat, aber wenigstens nicht wie ein verknarzter, rumpelrübiger Zwerg Neid auf alles Schöne ausstrahlt, das man jetzt in München zu imitieren sucht, als ob das eine Kategorie sei, die sich kaufen läßt. Aber wer weiß, vielleicht ist es so. Immer noch sieht man den Unterschied im Jubel, im Triumphgeheul eines Müllers mit weit aufgerissenem Mund nach seinen Toren gegen Barcelona oder im Lachen, Ausdruck der bloßen Freude über ein schönes Tor. Aber vielleicht ist das nur Einbildung. Keine Einbildung hingegen ist es, daß die meisten Bayern-Fans sich vom Verein abwenden würden, wäre die Mannschaft erfolglos. Was sie an den Verein bindet ist der Erfolg, die Affinität der Erfolglosen zu den Erfolgreichen. Das gilt natürlich grundsätzlich, bei manchen Verein jedoch mehr und bei manchen weniger. Die Zukunft Dortmunds stand auf dem Platz in Düsseldorf. Bis auf Hummels niemand, der gegen Real auf dem Platz stand, also die B-Elf mit Leuten, die bis jetzt kaum gespielt haben. Die Spielanlage war da, aber nicht die Präzision. Diese Mannschaft hat nicht die Zeit, sich zu entwickeln. Gegen Düsseldorf aber reichte es, und das war wichtig, denn durch den Sieg Augsburgs gegen Stuttgart trudeln die Düsseldorfer jetzt dem Abstieg entgegen.