Die Wahrheit über den 6. Spieltag

Die Milchbar war wieder einmal wie die Pforte zur Hölle: »Lasst alle Hoffnung fahren« stand darüber, denn das unterirdische Gekicke zuletzt gegen Hertha verhieß nichts Gutes. Zwar hatte Dortmund gewonnen, aber so schön das zwar gegen die Hauptstadtdeppen ist, war es alles andere als ein ästhetischer Genuss und außerdem reine Glückssache. Stuttgart würde vermutlich nicht so gurkenhaft auftreten. Nach nur wenigen Minuten jedoch waren die Desaster der letzten Zeit vergessen. Als der kleine Hajnal einen zauberhaften Treffer ins obere Toreck jagte, fragte man sich wieder mal, wie in nur wenigen Tagen eine derartige Wendung in Form und Leistung zustande kommen kann? Okay, die Stuttgarter überließen den Dortmundern überraschend viel Raum, aber es ist ja nicht immer so, dass Dortmund den auch zu nutzen weiß. Nein, es gab auch überraschende Kombinationen, die sogar mal klappten, es gab ein Zusammenspiel und vor allen Dingen eine Lust am Spiel, die man vor allem Kuba anmerkte, der mit einer Leichtigkeit über den Platz fegte, dass Leute gröberen Zuschnitts wie Boulahrouz ihn nur auflaufen und niederrempeln konnten. Das 2:0 köpfte Dortmunds 2,5-Millionen-Mann Santana ein, nachdem Lehmann der Ball durch die Handschuhe rutschte. Ein »Skandal-Tor« ereiferte sich Bild, Effenberg und Lehmann, aber wer glaubt schon notorischen Lügnern? Zwar gab es einen Körperkontakt, und der passierte im 5-Meterraum, aber Santanas Einsatz war nicht ursächlich dafür, dass Lehmann patzte. Aber weil Lehmann immer noch ein Ehrgeizling ist, der Fehler nicht zugeben mag, zeigte er dem Schiri sogar den Vogel, ohne rot zu sehen. Zudem war dieser Treffer nicht entscheidend, und wenn es eine Fehlentscheidung gewesen wäre, dann wäre sie egalisiert worden, als Magnin Kuba im Strafraum ungestraft über die Klinge springen ließ, ohne auch nur in die Nähe des Balles zu kommen. Außerdem hatte Stuttgart gerade mal eine Chance, während die ungenutzten Hundertprozentigen auf Dortmunds Seite sich unangenehm häuften. Wäre Petric noch da, hätte Dortmund 5:0 gewonnen, so aber schießt der jetzt Hamburg an die Spitze, wenngleich in einem schwachen Spiel gegen schwache Gladbacher. Die schönen Spiele fanden woanders statt. In Bremen, wo im wahrscheinlich rasantesten Spiel der gesamten Saison Hoffenheim noch einen 4:1-Rückstand egalisierte, bevor der als Diego-Nachfolger gehandelte Özil den 5:4-Treffer ins Tor der Blauen wuchtete, gegen den Verein, der von jedem Trottel als »große Bereicherung« gefeiert wird, der aber auch von Experten nicht nur auf Dortmunds Südtribüne als der »verfickteste und total übler neoliberaler Schweineverein« bewertet wird, weshalb Hoffenheims Hopp gleich Strafverfolgung forderte, weil er solchen Gegenwind im BDI nicht gewohnt ist. Und ein weiterer neoliberaler Schweineverein verlor, nämlich die Bayern, und das schon zum 2. Mal hintereinander, was zuletzt vor geschätzten 30 Jahren passierte, während Klinsmann zu Protokoll gab, dass er wieder rotieren würde. Nur zu. Ich hätte nichts dagegen, wenn es hilft, die Bayern in die Mittelmäßigkeit zu führen. Jedenfalls scheinen sich laut Ribéry die Mitspieler »im Kopf oder physisch nicht wohlzuführen«, und das tut auch Hoeneß nicht, der verbissen und selbstversunken auf der Bank saß. Ach ja, und auch Hertha verbaselte es zu Hause gegen Cottbus. What a nice day.